Alle in *** und fettmarkierten Einschränkungen treffen auch bei mir zu.

Patienten mit Multiple Sklerose (MS) leiden häufig unter zum Teil schwer­wiegenden Begleit- und Folgeerkrankungen. Dazu zählen unter anderem kognitive Einschränkungen, *** gesteigerte psychische und somatische Ermüdbarkeit und Depressionen, Sehstörungen, Muskelschwäche *** und Störungen der Sexualität und der *** Blasen- sowie Darmfunktion ***. Das berichten Wissenschaftler des Versorgungsatlas, einer Initiative des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland

MS-Patienten wiesen gegenüber Vergleichspatienten dementsprechend insbesondere erhöhte Wahrscheinlichkeiten für *** Lähmungen der Extremitäten, für Erkrankungen der Harnblase und der Psyche *** auf. Konkret liegt die Wahrscheinlichkeit für eine psychische Erkrankung laut der Auswertung um 42 Prozent höher. „Die hier beobachteten Inanspruchnahmemuster von MS-Erkrankten veranschaulichen einen dauerhaft erhöhten ambulanten multidisziplinären Versorgungsbedarf“

Bis zu 70% aller Betroffenen leiden irgendwann im Laufe ihrer Erkrankung an einer oder mehreren depressiven Phasen. Oft sind Krankheitsschübe oder Rückschläge der Auslöser dafür, dass ein Patient, der sich mit der MS bereits arrangiert hatte, in eine Depression zurückverfällt. Hier gilt es, erneut anzusetzen und mithilfe von medikamentöser und/oder Psychotherapie die alte Lebensqualität wiederherzustellen.

„Etwa 30 Prozent der Todesfälle bei MS geschehen durch Selbstmord (etwa 7,5 mal so häufig wie in der Normalbevölkerung).“ [1] Diese Angabe findet sich auf der Homepage der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). Demnach würde ungefähr jeder dritte MS-Betroffene Selbstmord begehen. Kann das sein?

Wer aktuellere und aussagekräftigere Zahlen sucht, findet sie in der großangelegten Studie von Brenner et al. die im August 2016 im European Journal of Neurology veröffentlicht wurde. Fafür wurden insgesamt 29617 MS-Patienten über das schwedische MS-Register (SMSreg) und das schwedische National-Patientenregister (NPR) zwischen den Jahren 1968 und 2012  identifiziert, wobei 29164 Betroffene in die Studie eingingen. Um eine passende Vergleichsgruppe zu generieren, wurden annähernd jedem MS-Patienten auf der Basis von Wohnort, Geburtsjahr und Geschlecht zum Zeitpunkt der Diagnosestellung, 10 nicht betroffene schwedische Bürger zufällig zugeordnet. Verglichen mit der Gruppe der Personen, die nicht von MS betroffen waren, war das Risiko einen Suizidversuch zu unternehmen bei MS-Patienten mehr als doppelt so hoch. Hochgerechnet bedeutete dies, dass pro 100.000 MS-Betroffene 116,53 Selbstmordversuche pro Jahr unternommen werden, im Gegensatz zur Vergleichsgruppe wo es zu 50,8 Selbstmordversuchen pro 100.000 pro Jahr kommt. Auch ergab sich eine knapp 80-prozentige Risikoerhöhung für einen vollendeten Suizid für MS-Betroffene. Pro 100.000 MS-Betroffene finden also jährlich 30,31 Suizide statt, bei der Vergleichsgruppe waren es 16,68 Suizide pro 100.000 Personen pro Jahr. Auf der Suche nach Ursachen für die erhöhten Werte wurden die Krankheitsdauer und der Bildungsgrad, der normalerweise einen Schutzfaktor für Suizid darstellt, untersucht, keine der beiden Faktoren hatte einen Einfluss. Andere mögliche Risikofaktoren wurden von der Studie nicht erhoben, so gab es keine Daten zur Behinderungsprogression, Häufigkeit und Schwere von Schüben, psychiatrischen Diagnosen, also dem Vorhandensein von psychischen Störungen, somatischen Begleiterkrankungen,

Quellen:
[1] „Depression“, Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V., https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/ms-behandeln/symptomatische-therapie/depression/(21.02.2019).
2. Geneviève Arsenault-Lapierre, Caroline Kim, Gustavo Turecki: Psychiatric diagnoses in 3275 suicides: a meta-analysis. In: BMC Psychiatry. 2004, 4, S. 37.
3. Fischer, Katja: Multiple Sklerose und Psychopathologie – retrospektive Untersuchung über psychiatrisch-psychosomatische Befunde bei PatientInnen einer neurologischen Rehabilitationseinrichtung, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der gesamten Humanmedizin, Philipps-Universität Marburg, 2007, https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/binary/NCUIKUKGYCJMQRYTSCP2D3HKSE5ZS6LR/full/1.pdf (11.10.2016)
4. Thielscher, C. et al: The risk of developing depression when su#ering from neurological diseases, http://www.egms.de/static/pdf/journals/gms/2013-
11/000170.pdf (11.10.2016).

RISIKOFAKTOREN FÜR SUIZIDGEFÄHRDETE SCHWER AN MULTIPLE SKLEROSE ERKRANKTE IDENTIFIZIERT

Schwer an Multipler Sklerose (MS) erkrankt zu sein, bringt sowohl körperlich als auch psychisch viele Herausforderungen und Unsicherheiten mit sich. Als Teil einer deutschlandweiten Studie zu ungestillten Bedürfnissen von Menschen, die sehr stark unter ihrer MS leiden, hat das Zentrum für Palliativmedizin der Universität zu Köln unter der wissenschaftlichen Projektleitung von Prof. Dr. Raymond Voltz, Direktor dieses Zentrums und Mitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes, eine umfangreiche Befragung durchgeführt.

*** Fast ein Viertel der Befragten hat sehr oft Suizidgedanken ***

22,1% der befragten Patienten in dieser Studie hatten sehr häufig suizidale Gedanken. Bei der Berechnung der Risikofaktoren ergaben sich sechs statistisch signifikante Faktoren. Drei davon haben eine protektive (schützende) Wirkung: „eine Bestimmung im Leben zu haben“, „produktiv zu sein / gewesen zu sein“ sowie „Glaube und Spiritualität“. Die drei anderen Faktoren erhöhen das Risiko für suizidale Gedanken: „Depression“, „nicht mehr in der Lage sein, seine Freizeit wie gewohnt zu gestalten“, und „sich sozial isoliert und ausgeschlossen zu fühlen“. Die Ergebnisse zeigen, dass schwer betroffene MS-Erkrankte besonders leiden, wenn ihre biografische Kontinuität verloren scheint. Damit ist gemeint, dass das Leben nicht mehr so wie bisher gestaltet werden kann und ein anderer Weg gefunden werden muss, um sich weiterhin wertvoll und wichtig zu empfinden.